Probleme - wunderbare Freunde auf Zeit

 

„Ich habe die Befürchtung, dass ich ganz viele Probleme habe. Ich bemerke sie nur nicht!“ (Unbekannt)

 

Ich möchte damit beginnen, der Beantwortung der Frage etwas näher zu kommen, wie Probleme eigentlich entstehen. Denn wenn wir nachvollziehen können, wie Probleme entstehen, ist es vielleicht auch etwas einfacher, mit ihnen umzugehen. Sie verlieren dann von ihrer Macht und es wird deutlich, dass sie keiner höheren Instanz entspringen, gegen die man nichts ausrichten könnte.

 

Normalerweise entstehen Probleme, indem wir einen Vergleich anstellen zwischen einer Situation, wie wir sie zurzeit erleben (Ist-Zustand), und unserem Wunsch, wie diese Situation eigentlich aussehen sollte (Soll-Zustand). In der Regel ist es so, dass eine eher bewusste Erlebnisinstanz den Soll-Zustand anstrebt (z.B. Wohlbefinden, Freude, Sicherheit etc.), während unwillkürliche körperliche und seelische Prozesse aber davon abweichen und dabei als wesentlich stärker erlebt werden als die willkürlichen Prozesse.

 

Dieser Ist-Soll-Vergleich ist an sich überhaupt nicht problematisch. Denn das machen wir alle sehr oft und dies ist auch ein ganz natürlicher Prozess. Problematisch wird es erst dann, wenn wir dauerhaft so verfahren, die angestellten Vergleiche als dramatisch und als unveränderbar erlebt werden und sämtliche Lösungsversuche vermeintlich scheitern. Damit erst werden Probleme auf Dauer gestellt und wir erleben uns irgendwie als Opfer. Wir befinden uns dann irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes in einem Problemtunnel, aus dem heraus wir alles nur noch durch eine schwarzmalerische Brille schauen und uns mit dem Problem verwechseln (Wir sind aber mehr als unsere Probleme. Wir haben auch ein schier unerschöpfliches Potential!). Damit ist der Grundstein für unsere Probleme gelegt. Denn rede ich nur noch über Probleme, so aktiviere ich auch in meinem Gehirn nur noch diejenigen Areale, die wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöhen, immer wieder und noch häufiger über meine Probleme zu reden. Der Teufelskreislauf beginnt!

 

Zudem: Situationen, die nicht abgeschlossen sind, gleichzeitig aber als sehr bedeutsam für einen Menschen bewertet werden, binden unsere Energie. Und zwar in der Weise, dass man sich kaum noch wahrhaftig anderen Dingen ernsthaft widmen kann, bis diese Sachen erledigt sind. Jeder von uns kennt das vom verloren geglaubten Haustürschlüssel. Wir widmen uns im Grunde keiner anderen Tätigkeit mehr, bis wir den Schlüssel endlich gefunden haben. Wir können uns einfach auf nichts anderes mehr konzentrieren. Dies ist sicherlich ein sehr plakatives Beispiel. Denn häufig sind es die etwas unauffälligeren, unerledigten Dinge, die unterschwellig unsere Energie binden und im Geheimen dafür sorgen, dass wir vielleicht etwas fahrig und unkonzentriert sind. So eben auch unsere Probleme. Von daher ist es durchaus wichtig, sich mit ihnen zu beschäftigen. Viel Erfolg damit!

 

 

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