Die Seele als Spiegel des Körpers?

 

Habe ich mich mit der Überschrift „Die Seele als Spiegel des Körpers“ etwa vertan? Heißt es nicht eigentlich umgekehrt „Der Körper als Spiegel der Gefühle“? Nicht unbedingt! Von Antonio Damasio stammt der Ausspruch: „Der Körper ist die Bühne der Gefühle.“ Das Stimmt! Andere Autoren gehen noch weiter und sagen: „Sie haben nicht nur einen Körper, sondern Sie sind auch Ihr Körper! Das ist ein großer Unterschied und soll auf die immense Bedeutung  der Körperlichkeit hinweisen. Wir sind auch nicht nur unser Verstand. Wir sind weitaus mehr. Denn nicht nur das Denken wirkt auf den Körper, sondern auch umgekehrt kann der Körper das Denken und Fühlen beeinflussen. Hierzu gibt es interessante Experimente: Beispielsweise können bestimmte Körperhaltungen, wenn wir sie einnehmen, einen unmittelbaren Einfluss auf uns haben. Nehmen wir beispielsweise eine Körperhaltung ein, die typischerweise Menschen zu eigen ist, die als depressiv einzustufen sind, so geht es und auch schlechter. Nehmen wir hingegen eine Körperhaltung ein, die eher erfolgreichen und selbstbewussten Persönlichkeiten zu eigen ist, so geht es uns auch gleich sehr viel besser. Es ist also wichtig zu wissen, dass nicht nur unser Denken Einfluss auf unseren Körper hat, sondern auch der Körper Rückwirkungen auf den Geist hat. Es könnte demnach hilfreich sein, zu versuchen, aufrechter und offener durchs Leben zu gehen. Auf diese Weise könnte es ein wenig leichter werden, weniger bedrückt zu sein, und eben nur deshalb, weil wir eine andere Körperhaltung eingenommen haben. Gunther Schmidt - erfolgreicher Coach und Therapeut - hat passend dazu im wahrsten Sinne des Wortes gesagt: „Wie man geht, so geht es einem.“

 

Mit diesem Thema beschäftigt sich konkret u.a. der Ansatz des Embodiments (Maja Storch und andere). Dieser Ansatz geht davon aus, dass der Mensch als untrennbare Einheit betrachtet werden muss. D.h., wenn wir etwas denken oder fühlen, passiert auch etwas mit unserem Körper. Nutzen wir umgekehrt unseren Körper, so hat dies auch Auswirkungen auf unser Denken und auf unser Fühlen. Die Psyche hat demnach immer eine Wirkung auf den Körper, so wie auch der Körper immer auch eine Wirkung auf die Psyche hat. Dieser Effekt wurde in einer Vielzahl von Experimenten nachgewiesen. Ein Beispiel: Versuchspersonen wurde mitgeteilt, dass sie den Tragekomfort von Köpfhörern testen sollen. Dabei hörten sie angeblich rein zufällig einen Beitrag über die Erhöhung von Studiengebühren. Die Versuchspersonen wurden in drei Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 sollte ihren Kopf schütteln, die zweite Gruppe sollte ihren Kopf nicken, die dritte Gruppe sollte keine Kopfbewegungen machen. Das verblüffende Ergebnis: Gruppe 2 war am ehesten bereit, erhöhte Studiengebühren in Kauf zu nehmen. Interessant, oder?

 

 

Ähnliche Beispiele wurden von Amy Cuddy veröffentlicht. Die Psychologin von der Harvard Business School hat sich mit so genannten Power-Posys (Power-Posen) beschäftigt. Die Frage, die Amy Cuddy beschäftigt, ist: Haben bestimmte Körperhaltungen Auswirkungen auf die Psyche? In zahlreichen Experimenten fand sie heraus, dass bestimmte Hochstatus-Posen, wenn man sie nur lange genug einnimmt, einen Einfluss auf den Hormonhaushalt von Menschen haben. Die Posen bewirkten schon nach rund zwei Minuten einen Anstieg des Testosteronhaushaltes bei gleichzeitiger Reduzierung von Cortisol. Wie sieht eine solche Power-Pose aber nun eigentlich aus? Die Supermann-Pose beispielsweise nimmt man mit festem, breitbeinigen Stand mit in die Hüften gepressten Händen ein. Im Prinzip also ganz einfach, so dass Sie es gleich jetzt völlig problemlos ausprobieren können. Mein Fazit: „Fake It Until You Make It“.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0