Ursachen!? So ein Thema für sich

 

Wir begeben und sehr häufig auf Spurensuche hinsichtlich der Ursachen unserer Probleme. Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit der Frage, was eigentlich zu unserem Problem geführt hat. Bei dieser Suche landen wir in der Regel in der Vergangenheit und machen ein besonderes Ereignis für den derzeitigen Status Quo verantwortlich. Das beliebteste Erklärungsmodell ist hier sicherlich das Zurückführen auf frühere Ereignisse in der Familie. Wie oft heißt es: "Ich bin so, weil meine Eltern ...". Das mag sein, doch auch unsere Eltern könnten sagen: "Ich bin so, weil meine Eltern ..." Man kann also den eigen Eltern - wenn man diesen Satz oder diese Regel so gelten lässt - gar keine Schuldzuweisung machen. Denn schließlich waren auch sie wiederum "Opfer" ihrer eigenen Eltern. Und wo müsste man eigentlich beginnen? Denn auch die Eltern unserer Eltern hatten ebenfalls Eltern usw. Wir sind hier im Grunde bei der Henne-Ei-Problematik. Zudem glauben wir, dass dieses Erklärungsmodell es uns zu leicht machen würde, denn auch wir tragen eine hohe Verantwortung dafür, wie es uns im Hier und Jetzt gerade geht. Wir sind nicht nur die Opfer unserer Eltern. Wir sind selbtgestaltende, autonome Wesen, die zumindest den Versuch unternehmen können, trotz vielleicht einer tatsächlich schlimmen Kindheit Veränderungen vorzunehmen. Ohnehin müsste man bei einer solchen linear-kausalen Denkweise davon ausgehen, dass ein Ereignis x in der Vergangenheit immer ein Problem y verursachen würde. Doch auch dem ist nicht so. In Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass es nicht unbedingt darum geht, dass uns ein Ereignis x widerfahren ist, sondern dass es vielmehr darum geht, wie wir das Ereignis x für uns selbst bewerten. So gibt es beispielsweise Frauen, die - bei allem berechtigten Schmerz - an einer Abtreibung zerbrechen. Ebenso gibt es aber auch Frauen, die diesen Schritt für den Rest ihres Lebens als die einzig richtige Entscheidung für sich bewerten. Es geht also tatsächlich auch darum, wie wir ein solches Ereignis für uns interpretieren und uns dazu in Beziehung setzen.

 

 

Ohnehin sollte man sich die Frage stellen, ob das Aufdecken von Ursachen - sollte es sie denn wirklich geben - tatsächlich eine Veränderung bewirkt. Nehmen wir das Beispiel eines Menschen, der vor lauter Angst vor engen Räumen keinen Fahrstuhl mehr fährt. Stellt man beispielsweise nach einer jahrelangen Analyse fest, dass man deswegen keinen Fahrstuhl fährt, weil man als Kind in einer bunkerähnlichen Unterkunft, die als sehr unangenehm und bedrückend erlebt wurde, aufgewachsen ist, so ist doch das Ergebnis, dass man trotz Ursachenfindung noch immer keinen Aufzug fährt. Es muss also die Frage erlaubt sein, wie zieldienlich eine solche Ursachenforschung überhaupt sein soll. Ist das Finden einer Ursache wirklich dazu geeignet, eine Verhaltensänderung zu bewirken? Tritt mit dem Moment der Ursachenfindung gar eine Art Wunder ein, das uns von jetzt auf gleich zu einem neuen Menschen macht? Ich denke nicht! Allenfalls finden wir im Rahmen der Ursachensuche Aussagen über uns selbst. Denn Ursachenerklärungen sind immer auch Hypothesen. Wir entwickeln generell ziemlich schnell Erklärungen für Dinge. Ehrlich gesagt kann es sich dabei aber nicht um objektive Wahrheiten, sondern lediglich um subjektive Vermutungen, um Hypothesen, handeln. Es geht auch gar nicht darum, Wahrheiten aufzudecken, viel wichtiger ist es doch zu prüfen, wie nützlich eine vermutete Ursache ist und welche Aussage sie über mich selbst tätigt. Und das kann natürlich sehr lehrreich für mich selbst sein.

 

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