„Fehler machen klug, drum ist einer nicht genug!“

 

Das Zitat in der Überschrift stammt von Ingrid Steeger. Toll, oder? Denn es weißt auf einen wie ich finde wichtigen Aspekt hin: Fehler können genutzt werden, um aus ihnen zu lernen. Ein Fehler tritt nämlich in der Regel dann auf, wenn etwas fehlt. Nur wer Fehler (an)erkennt und analysiert, wird diese zukünftig wahrscheinlich auch vermeiden können. Dies gilt auch für Fehler, die wir bei anderen Menschen erkennen. Ein brasilianisches Sprichwort besagt: „Wir müssen auch aus den Fehlern anderer lernen, denn wir leben nicht lange genug, um sie alle selbst zu machen.“

 

Eine weitere gute Nachricht lautet: Jeder macht Fehler! Und das ist auch gut so. Somit hat nämlich jeder die Chance, etwas zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Wie schade wäre es also, wenn es Menschen gäbe, die keine Fehler machen würden? Natürlich ist es so, dass Fehler sich im ersten Moment nicht immer gut anfühlen. Wir schämen uns und sind vielleicht ein wenig verärgert. Die meisten Menschen haben schließlich gelernt, dass Fehler eher etwas Negatives sind. Stellt man die Buchstaben des Wortes „Fehler“ aber einfach mal um, so werden Sie schlagartig zu „Helfern“. Fehler können sich also in Lernmöglichkeiten verwandeln. Im Prinzip machen wir dann im engeren Sinne keine Fehler mehr, wir erhalten lediglich ein Feedback und erzeugen wertvolle Informationen. Fehler sind demzufolge sogar wichtig. Wir brauchen Fehler. Kinder beispielsweise lernen laufen nur dadurch, dass sie bei dem Versuch zu laufen immer wieder Fehler machen und stürzen. Fehler sind daher menschlich und gehören zu unserem Dasein dazu.

 

Natürlich sollte auch die richtig/falsch-Dichotomie bei Fehlern einmal infrage gestellt werden. Denn oftmals ist das Befinden über richtig oder falsch ja eine sehr subjektive Angelegenheit. Es gibt nicht die eine, für alle Menschen gültige Wirklichkeit, sondern eher viele, sehr individuelle Wirklichkeiten. Objektive Maßstäbe existieren häufig nicht. Auch hierzu ein Beispiel: Ist es tatsächlich ein Fehler, das Angebot meines Arbeitgebers auszuschlagen, im Ausland eine neue Niederlassung aufzubauen und die Geschäftsführung zu übernehmen? Meine karriereorientierten Freunde sind zumindest dieser Meinung und sagen, dass ich es mit Sicherheit irgendwann bereuen würde. Oder könnte es vielleicht sein, dass ich mich zurzeit mit meinem Job und meiner familiären Situation pudelwohl fühle und eine derartige Veränderung mit großer Wahrscheinlichkeit dazu beitragen würde, keine Zeit mehr für die für mich wichtigen Dinge im Leben zu haben? Für mich persönlich ist Geld schließlich nicht alles! Beide Sichtweisen sind doch sehr gut nachvollziehbar, nicht wahr? Wer könnte hier schon von richtig oder falsch sprechen?

 

Und noch etwas: Der Zwang zur Fehlerlosigkeit führt häufig zur Angst vor Fehlern und damit paradoxerweise sogar im Gegenteil zu einer erhöhten Fehlerhäufigkeit. Dies ist eine Frage unserer Persönlichkeitsstruktur. Wie reagiere ich auf Fehler und wie gehe ich mit ihnen um? Das hat häufig damit zu tun, ob ich nur das Ergebnis - also den eigentlichen Fehler - oder eher den Prozess - also der Weg, der zum Fehler geführt hat - betrachte. Beides ist natürlich wichtig. Aber betrachte ich den Fehler nur noch als Ergebnis, dann erzeuge ich damit bei mir selbst ein eher negativ konnotiertes Mindset. In der Hypnotherapie gibt es den Satz: „Energy flows where attention goes!“. D.h. wenn ich mit meiner Aufmerksamkeit nur noch auf den Fehler fokussiere, dann fließt auch meine ganze Energie nur noch in diese Richtung. Kein Wunder, dass ich mich selbst dann in einer Art Fehlertrance befinde und über keine Energiereserven mehr verfüge, mich in Ruhe und voller Konzentration anderen Dingen zu widmen. Der Pianist beispielsweise, der bei einem Auftritt einen dicken Patzer in seinem Spiel bemerkt und noch während des Vorspiels nur mit diesem Fehler hadert (vielleicht stellt er sich Fragen wie: Wie konnte mir dieser Fehler bloß passieren? Was denkt das Publikum nur über mich? Wie werden die Zeitungen über mich berichten? usw.), wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Glanzauftritt mehr zeigen können. Es wäre also wichtig, dass nicht der Fehler an sich, sondern vielmehr die Konsequenzen eines Fehlers vermieden werden. Dies darf und sollte aber wiederum nicht auf Kosten unserer Risikobereitschaft geschehen. Denn gerade unsere Risikobereitschaft ist es doch, die häufig zu Innovation und neuen Erkenntnissen führt. Wir sollten daher eine gute Balance zwischen Risikobereitschaft und Fehlerhäufigkeit entwickeln.

 

Hier nun zum Abschluss noch einige wie ich finde wohltuende Zitate zum milderen Umgang mit Fehlern:

 

Unbekannt: „Wer keine Fehler macht, macht wahrscheinlich auch sonst nicht viel!“

 

Thomas Edison (Erfinder der Glühbirne): „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur erfolgreich zehntausend Wege entdeckt, die zu keinem Ergebnis führen.“

 

Theodor Fontane: „Wer aufhört, Fehler zu machen, lernt nichts mehr dazu.“

 

Thomas Watson: „Um erfolgreich zu werden, muss man seine Fehlerquote verdoppeln.“

 

Jean Paul: „Die schlimmsten Fehler macht man in der Absicht, einen begangenen Fehler wieder gutzumachen.“

 

Oscar Wilde: „Wer Fehler gemacht hat, hat meistens nur Erfahrung gesammelt.“

 

Michael Jordan: „Ich habe mehr als 9000 Würfe verfehlt. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal wurde mir der entscheidende Wurf anvertraut und ich verfehlte ihn. Ich habe immer wieder Fehler gemacht. Und deshalb bin ich erfolgreich.“

 

Unbekannt: „Nachdem Du gescheitert bist, bist Du gescheiter.“

 

Albert Einstein: „Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht.“

 

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