Das Hier und Jetzt

 

 

„Sei gegenwärtig in allem, was du tust, die einzige Wirklichkeit ist jetzt. Solange du Vergangenem nachhängst oder Zukünftigem nachstellst, bist du nicht wirklich hier am Leben."

  

Diese Weisheit aus dem Zen-Buddhismus bringt es auf den Punkt: Der wichtigste und bedeutendste Moment in unserem Leben ist das Hier und Jetzt! So zumindest lautet das gängige Mantra in unzähligen von Ratgebern. Denn nur im Jetzt können wir etwas tun, was von Bedeutung ist. Und nur das Jetzt ist ein greifbarer Moment. Der Rest ist weit weg und eher konfus. Wir wissen beispielsweise nicht, ob wir am morgigen Tag noch existent sind. Vergangene Momente hingegen sind vorbei und wirken nur noch aus der Erinnerung heraus. Und dennoch hängen wir sehr an der Zukunft und der Vergangenheit. Oftmals glauben wir beispielsweise, dass sich unser Glück erst zu einem späteren Zeitpunkt einstellen wird. Wir müssen uns anstrengen, damit wir später einmal einen guten Job bekommen. Wir sparen, damit wir später, wenn wir in Rente gehen, eine Weltreise machen. Oder heute Abend noch die schöne Sommernacht genießen? Nein! Wir gehen lieber früh ins Bett, damit wir morgen fit sind. Wir eifern gewissen Dingen in der Zukunft nach. Dies oder das muss ich noch erreichen, erst dann bin ich wirklich glücklich. Das Problem: Das persönliche Glück stellt sich dann noch immer nicht ein. Die Bedürfnisse, die ich im Hier und Jetzt verspüre, werden also gerne verschoben.

 

Lao-Tse geht auf diesen Aspekt ein, indem er sagt: „Wenn du deprimiert bist, lebst du in der Vergangenheit. Wenn du besorgt bist, lebst du in der Zukunft. Wenn du in Frieden bist, lebst du in der Gegenwart“. Und auch folgende Geschichte betont noch einmal die Bedeutung des Hier und Jetzt:

 

Glücklich sein

 

Ein Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so glücklich sein könne.
Er sagte:
"Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich liebe, dann liebe ich ..."
Dann fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten:
"Das tun wir auch, aber was machst Du darüber hinaus?"
Er sagte wiederum:
"Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich ... "
Wieder sagten die Leute:
"Aber das tun wir doch auch!"
Er aber sagte zu ihnen:
"Nein -
wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon,
wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel."

 

Doch ist der Moment des Hier und Jetzt tatsächlich das Zaubermittel für Glückseligkeit? Das mag sein. Was ich aber nicht glaube, ist, dass das angestrengte Bestreben, immer und immer in diesem Zustand zu sein, förderlich ist. Und natürlich ist es auch von Bedeutung, unsere Vergangenheit und die Zukunft zu betrachten. Der Blick in die Zukunft ist wichtig, um unseren weiteren Lebensweg auszumalen. Und sich hin und wieder in der Vergangenheit zu suhlen kann dazu beitragen, Einsichten darin zu bekommen, wer ich bin und was mich im Verlaufe meines Lebens eigentlich geprägt hat.

 

Alle drei Zeitdimensionen sollten gewürdigt werden. Eine Abwertung der Vergangenheit oder der Zukunft halte ich für nicht sinnvoll. Das macht das Verharren im Hier und Jetzt eben sehr kräftezehrend. Es geht um ein Sowohl-Als-Auch, nicht um ein Entweder-Oder.

 

Hilfreich ist es sicherlich, regelmäßig in das Hier und Jetzt zurückzukehren. Denn nur heute können wir konkret etwas für unsere Zukunft tun und nur heute können wir unsere erlebte Vergangenheit betrachten und mit persönlichen Bewertungen belegen. Doch wie kann es mir gelingen, im Hier und Jetzt zu sein? Man kommt dem neuen Bewusstsein näher, in dem man sagt: Das Bedeutende ist schon hier. Und nicht: Ich muss es erst noch erreichen. Dieser Gedanke ist das größte Hindernis. Sie brauchen nur vollkommen Ja zum gegenwärtigen Moment, zum Jetzt, zu sagen.Hilfreich sind hierzu auch folgende Fragen: Was rieche ich gerade? Was fällt mir ins Auge? Welche Geräusche sind um mich herum wahrnehmbar? Wie spüre ich den Boden unter mir? Was schmecke ich gerade? Welche Empfindungen spüre ich bei mir usw. Also dann: Auf die Plätze - fertig - Jetzt!

 

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