Das Unbewusste - ein finsterer Ort?

 

„Das Bewusste ist klug, das Unbewusste ist weise!“ (Milton Erickson)

 

Das Unbewusste gibt seit jeher viele Rätsel auf. Sigmund Freud war einer der Ersten, die das Unbewusste etwas näher beleuchtet haben. Für ihn war es in der Tat etwas Bedrohliches. Das ist heute nicht mehr so. Ganz im Gegenteil wird das Unbewusste sogar eher als eine Art Unterstützung betrachtet. Es  saugt wie ein Schwamm unzählige Informationen und Eindrücke auf. Zum Glück! Denn unser Bewusstsein wäre damit schlichtweg überfordert. Experten sind der Meinung, dass 99% unbewusst abläuft.

 

Doch gibt es dass Unbewusste überhaupt? Schließlich handelt es sich dabei nicht um etwas, was irgendwie sichtbar oder greifbar wäre. Beim Unbewussten handelt es sich lediglich um eine Idee, um ein theoretisches Konstrukt, dessen Existenz durchaus in Frage gestellt werden kann. Aber dies erscheint mir ohnehin keine sinnvolle Fragestellung. Es ist nämlich im Prinzip gar nicht von Bedeutung, ob es das Unbewusste wirklich gibt oder nicht. Viel sinnvoller erscheint es doch, darüber nachzudenken, wie zweckdienlich ein gedachtes Unbewusstes ist. Denn: Das Unbewusste kann als Hilfskonstruktion verstanden werden, als Erklärungsmodell dafür, dass unerwünschte Prozesse nicht einfach per Knopfdruck veränderbar sind.

 

Dennoch existieren einige Hinweise für die Existenz des Unbewussten. In einer Reihe von Experimenten konnte dies quasi nachgewiesen werden. Hier ein Beispiel:

 

Die Versuchspersonen haben folgende Anweisung: Erscheint auf einem Bildschirm das Wort „traurig“, so soll so schnell wie möglich die linke Taste gedrückt werden. Erscheint hingegen das Wort „freudig“, so gilt es, schnellstmöglich die rechte Taste zu drücken. Die Versuchspersonen wissen dabei nicht, dass ihnen vor jedem gezeigten Wort auch ganz kurz und im Grunde nicht wahrnehmbar die Zeichnung eines freudigen bzw. traurigen Gesichts gezeigt wird. Das Ergebnis: Passt die Zeichnung zum Wort, beispielsweise wenn ein freudiges Gesicht zum Wort „freudig“ erscheint, dann ist die Reaktionszeit im Durchschnitt eineinhalb Millisekunden kürzer als bei unpassender Kombination. Die Versuchspersonen müssen die Zeichnung daher unbewusst gesehen haben. Die gezeichneten Gesichter haben innerhalb kürzester Zeit den Weg ins Unbewusste gefunden. Das Unbewusste ist daher sozusagen unmerklich hinter den Kulissen aktiv.

 

Das Experiment macht deutlich, dass wir mehr zu sein scheinen als nur unser Bewusstsein. Das Unbewusste ist längst tätig, während unser Bewusstsein noch inaktiv ist. Es stellt sich daher gar nicht mehr die Frage, ob es das Unbewusste tatsächlich gibt, sondern eher, wie viel Macht und Einfluss es eigentlich auf uns hat.

 

 

Übrigens: Die oft synonym verwendeten Begriffe unbewusst und unwillkürlich unterscheiden sich. Nicht jeder unwillkürliche Prozess muss auch unbewusst sein. Wir können beispielsweise bewusst wahrnehmen, wie unser Herz schlägt. Dies ist ein unwillkürliches Phänomen. Alles, was unbewusst abläuft, ist unwillkürliches Erleben, nicht aber umgekehrt. Der Begriff „Unbewusstes“ ist also eine Art Oberbegriff.

 

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