Macht der Gedanken

 

Shakespeare: „An sich ist kein Ding weder gut noch schlecht; das Denken macht es erst dazu.“

 

Häufig sind wir Menschen der Meinung, dass unsere Fähigkeit, zu denken, uns zur Krone der Schöpfung macht! Das mag sein. Daher sind wir auch der Meinung, dass Gedanken eine durchaus positive Funktion haben. Aus diesem Grunde finde ich manch extreme ablehnende Haltung gegenüber unseren Gedanken auch bedenklich. Im Zen-Buddhismus lautet eine alte Weisheit: "Wirf Deine Gedanken wie Herbstblätter in einen blauen Fluß, schau zu, wie sie hineinfallen und davontreiben - und dann: vergiß sie." Das entwertet unsere Gedanken etwas. Richtig ist, dass wir häufig auch einen hohen Preis für diese Fähigkeit zahlen. Das Problem ist nämlich, dass wir uns regelmäßig geradezu mit unseren Gedanken verwechseln. Doch wir sind noch sehr viel mehr. Es geht meines Erachtens um Integration! Was genau ich damit meine, verdeutlicht folgende Sufi-Geschichte auf wunderschöne Art und Weise:

 

Ein Blinder irrt orientierungslos durch den Wald. Plötzlich stolpert er über etwas am Boden und fällt der Länge nach hin. Als der Blinde auf dem Waldboden herumtastet, entdeckt er, dass er über einen Mann gefallen ist, der am Boden kauerte. Dieser Mann ist ein Lahmer, der nicht laufen kann.Die beiden beginnen ein Gespräch miteinander und klagen sich gegenseitig ihr Schicksal. „Ich irre schon seit ich denken kann in diesem Wald herum und finde nicht wieder heraus, weil ich nicht sehen kann.“ ruft der Blinde aus. Der Lahme sagt: „Ich liege schon, seit ich denken kann, am Boden und komme nicht aus dem Wald heraus, weil ich nicht aufstehen kann.“ Und während sie sich so unterhalten, ruft der Lahme plötzlich aus: „Ich hab's! Du nimmst mich auf den Rücken, und ich werde dir sagen, in welche Richtung du gehen musst. Zusammen können wir aus dem Wald herausfinden.“ Laut Aussage des alten Geschichtenerzählers symbolisiert der Blinde die Rationalität, der Lahme die Intuition. Auch wir werden aus dem Wald nur herausfinden, wenn wir lernen beide zusammenzubringen.

 

Auch der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Er beschäftigt sich mit der Freiheit von den Gedanken. Wir sind nicht unser Verstand. Die Menschen identifizieren sich aber oftmals mit ihrem Verstand. Eigentlich sollte der Verstand aber nur als ein effizientes Werkzeug herangezogen werden und zwar genau dann, wenn wir es benötigen. Allerdings beherrschen wir nicht den Verstand, sondern der Verstand beherrscht uns. Doch durch die Konzentration auf das Hier und Jetzt können wir Phasen des „no mind“ erlangen, Phasen der Ruhe und des Friedens. Das heißt aber nicht, gar nicht mehr das Denken zu benutzen. Allerdings sollte es eben in der Hauptsache dann benutzt werden, wenn es uns auch etwas nützt. Ohnehin halte ich es eher mit Anselm Grün, der sagt: „Wir sind nicht verantwortlich für unsere Gedanken, sondern nur dafür, wie wir damit umgehen.“

 

Ich ende wieder einmal mit einem schönen Gedankensplitter:

 

 

„Mit 20 habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was andere über mich reden. Mit 40 war mir schon relativ egal, was andere über mich reden. Mit 60 habe ich herausgefunden, dass andere gar nicht soviel über mich reden.“ (Chinesische Weisheit)

 

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