„Weil man es eben so macht“ - gesellschaftliche Zwänge

 

Sie sind von der Mehrheit der Gesellschaft nicht wirklich gewollt! Sie sind auch nirgendwo gesetzlich verankert, aber dennoch halten sich fast alle daran: Gesellschaftliche Zwänge. Verrückt, oder?

 

Etwas überspitzt formuliert verhalten wir uns im Grunde tagtäglich wider unserer Natur. Und das nur aufgrund von gesellschaftlichen Konventionen. Doch was genau ist diesen Konventionen eigentlich gemeint? Gemeint sind vermutete Erwartungen, die von außen an uns herangetragen werden und denen wir entsprechen wollen, eben weil man sich - oft unausgesprochen - darauf geeinigt hat. Häufiges Erkennungsmerkmal: Das Wort „man“! „Man“ macht das eben so! Ja, aber was genau macht „man“ denn eben so? Dinge, deren Einhaltung sich für ein gesellschaftliches Zusammenleben bewährt haben. Häufig hinterfragen wir diese Konventionen nicht. Wir werden von ihnen fremdbestimmt - manchmal bewusst, meistens aber unbewusst.

 

Ist das gut? Nun ja, viele Menschen behaupten, das nur so gesellschaftliches Leben möglich sei. Anderenfalls müsse man auch mit Ablehnung rechnen. Aber was ist der Preis? Der Preis ist sicherlich, dass wir uns damit immer auch selbst einschränken. Wir benehmen uns als Herdentiere, geben unserer Individualität aber keinen Ausdruck. Denn stark sind die Stimmen, die beispielsweise sagen „Das kann man doch nicht machen“, „Über Geld spricht man nicht“, „Man muss arbeiten gehen“, „Man muss eine Familie gründen“, „Man muss mit einem Partner zusammenleben“ usw. Alles recht konventionell. Ein guter Freund ist das beste Beispiel: Frau, eigene Wohnung, drei Kinder, Bilderbuchkarriere - gibt auf einer Feier mit Wildfremden gar jedem einzelnen die Hand. Da fehlt jetzt nur noch der Hund.

 

 

Eines ist klar: Wir werden uns wohl nie vollends von gesellschaftlichen Zwängen befreien können. Aber wir können diese zumindest kritisch hinterfragen und sie uns bewusst machen. Und: Wir müssen stets selbst entscheiden, ob wir uns bewusst gegen oder für gesellschaftliche Konventionen entscheiden. Haben wir den Mut, uns zumindest hin und wieder gegen gesellschaftliche Strömungen zu stellen? Mut, autonome Werturteile zu fällen? Schließlich muss ich dann häufig auch mit Gegenwind rechnen, agiere ich doch dann im Widerspruch zu dem, was die meisten tun und was der Norm entspricht. Dies kann Druck erzeugen. Doch ich bin davon überzeugt: Langfristig werden wir Entlastung darin finden. Gleichzeitig sollten wir uns natürlich auch an gewisse gesellschaftliche Normen halten - schließlich sind wir gesellschaftliche Wesen -, wir sollten uns ihnen aber eben nicht versklaven. Ein Weckruf, der zum Ausprobieren einladen möchte.

 

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