Wie wichtig ein gutes Umfeld ist

 

Oftmals ist es für die Erklärung eines menschlichen Verhaltens überaus wichtig, in welchem Kontext bzw. in welchem Gesamtzusammenhang wir uns eigentlich befinden. Ein Beispiel: Ist jemand als irre einzustufen, der sich selbst einen Arm abschneidet? Nicht unbedingt! Denn es kommt immer darauf an, in welchem Kontext, also in welcher Situation, sich ein solcher Mensch befindet! Jemand, der sich einfach so auf ein Gleis legt, damit der nächste herannahende Zug ihm einen Arm abtrennt, ist sicherlich nicht als ganz normal einzustufen. Ein Bergsteiger wiederum, der nach einem Sturz mit seinem Arm in einer Felskante hängen bleibt und keinen anderen Ausweg mehr sieht, der Notsituation zu entkommen, als sich selbst den Arm abzuschneiden, ist sicherlich eher als mutig und heldenhaft zu bezeichnen (Beispiel aus dem Film „127 hours“).

 

Doch was heißt das nun für uns? Der Kontext gibt unserem Verhalten oftmals erst die eigentliche Bedeutung. Wir könnten also bei menschlichen Verhaltensweisen auch darauf schauen, welcher sinngebende Kontext gerade vorliegt. Das würde uns bei uns selbst aber auch bei der Beurteilung von Verhaltensweisen anderer Menschen vielleicht etwas milder stimmen, denn jedes vermeintliche Problemverhalten würde fortan auch als eine sinnvolle Lösung betrachtet werden. Wann und in welcher Situation zeigt sich ein Verhalten mal mehr, mal weniger? Gibt es vielleicht auch Wechselwirkungen mit anderen Beteiligten? Denn Menschen bewegen sich stets in Systemen. Diese Tatsache sollte berücksichtigt werden.

 

Um zu erklären, was systemisches Denken bedeutet, wird gern die Metapher des „Mobiles gewählt. Wenn man an einer Stelle einen Impuls setzt, stellt sich auch an anderen Stellen des Mobiles eine Veränderung ein. Bleiben weitere Impulse aus, so schwingt das Mobile irgendwann wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Stellt man sich auch eine Familie als Mobile vor, so muss auch eine Familie immer wieder viel Energie aufbringen, um einen Gleichgewichtszustand herzustellen. Familienmitglieder sind Menschen und Menschen befinden sich in steten Veränderungsprozessen. Für ein Gleichgewicht sind daher Ausgleichsbewegungen notwendig. Das klappt normalerweise ganz gut, da Familien über entsprechende Ressourcen verfügen. Sind diese aber nicht (mehr) verfügbar - beispielsweise wenn die Belastungen einfach zu groß werden -, dann sind auch die Ausgleichsbewegungen oftmals nicht mehr möglich und das Mobile gerät aus dem Gleichgewicht. Auch Symptome können als ein Versuch zum Ausgleich betrachtet werden. Doch das Streben nach Gleichgewicht ist nicht alles. Häufig möchten sich Systeme auch verändern. Es sollte daher eine gute Balance zwischen Gleichgewicht und Veränderung gefunden werden.

 

 

Für das konkrete Leben könnte das bedeuten: Schaffe Dir eine gute Umgebung, mit inspirierenden Menschen, die Dich unterstützen. Wie ein Baum, der eben nur in einer guten Umgebung gut wachsen kann. Konkret würde die Frage dann lauten: Mit welchen Menschen verbringt man die meiste Zeit? Du bist nämlich meistens nur so gut, wie die Menschen, mit denen Du Dich umgibst. Sind das positive, inspirierende Menschen? Oder eher Bremser oder Neinsager? Wir können mit und in einem guten Umfeld also förmlich aufblühen. Daher: Augen auf bei der Wahl Deiner engsten Vertrauten.

 

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